Feedback zu deinem Vortrag

By | März 12, 2016

Feedback

Wenn du deine Präsentation vorbereitest ist eine Sache ganz wichtig:

Hole dir Feedback!

Am besten hältst du deinen Vortrag einmal zur Probe vor jemandem, der dir dann Feedback gibt. Egal wie gut du deinen Vortrag geplant und geprobt hast: jemand anderem werden immer noch Dinge auffallen, an die du gar nicht gedacht hast.

Je mehr Rückmeldung du dir dabei holst, desto schneller wirst du richtig gut werden im Präsentieren.

Auch nachdem du deinen Vortrag gehalten hast, ist es sinnvoll, dass du dir Feedback von jemandem aus dem Publikum holst. Denn dadurch kannst du viel darüber lernen, wie sie bei deinen Zuhörern angekommen ist. Davon kannst du dann beim nächsten Mal davon profitieren.

Wie holst du dir nun am besten Feedback? Hier ein paar Tipps. (Weiter unten erkläre ich dir, wie du anderen am besten Feedback gibst.)

Vertrauen

  • Frage jemanden, dem du vertraust, dass er dir auch ehrlich die Meinung sagen wird. Also jemand, zu dem du in irgendeiner Form eine positive (Arbeits-)Beziehung hast. Dein Feedbackgeber muss dir eventuell auch negatives Feedback geben. Und das wird er viel eher tun, wenn er vorher schon weiß, dass euer Verhältnis zueinander dadurch nicht belastet wird. Du bekommst so viel ehrlichereres und dadurch nützlicheres Feedback.
  • Ideal: Frage jemanden, der selber sehr gut präsentieren kann. Solchen Leuten fällt in der Regel viel mehr auf und du kannst so von deren Erfahrung profitieren. Häufig haben gute Präsentatoren sich lange mit dem Thema beschäftigt, ein Seminar darüber besucht oder einige Bücher darüber gelesen. Dieses Wissen kannst du so für dich nutzen.
  • Bitte deinen Feedbackgeber vor dem Vortrag um Feedback. Wer weiß, dass er dir hinterher Rückmeldungen geben soll, wird sich viel eher Dinge merken und während der Präsentation vielleicht ein paar Notizen machen.
  • Benutze bei einem Probevortrag einen Beamer. Halte deinen Vortrag vor deinem Feedbackgeber also nicht nur vor deinem Laptop, sondern schließe ihn an einen Beamer an. Beim echten Vortrag wirst du ja auch einen Beamer benutzen und dabei wirst du ganz anders wirken, als wenn du nur vor deinem Laptop stehst.
  • Frage nach konkretem Feedback. Ein Vortrag ist sehr komplex und viele Dinge spielen dabei eine Rolle: wieviel Kontakt du zum Publikum hast, wie deine Körperhaltung ist, ob deine Folien gut gestaltet sind, ob deine Präsentation einen guten roten Faden hat, etc. Das kann ziemlich viel auf einmal sein für einen einzigen Feedbackgeber. Falls es eine konkrete Sache gibt, bei der du dich verbessern willst, dann sag vor deinem Vortrag, dass du genau dafür Feedback haben willst.

Nicht rechtfertigen beim Feedback

  • Rechtfertige dich nicht. Wenn dein Feedbackgeber dich kritisiert, werden dir wahrscheinlich ganz schnell 100 Gründe einfallen, warum du alles so gemacht hast und warum das gar nicht anders geht. Sag das aber nicht. Dadurch wirst du den Eindruck deines Feedbackgebers nicht ändern. Und langfristig wird dein Feedbackgeber dir dann wahrscheinlich weniger direkt seine Meinung sagen. Und genau wegen der hattest du ihn ja ursprünglich nach Feedback gefragt, oder?
  • Keine Diskussionen. Diskutiere mit deinem Feedbackgeber nicht darüber was gut oder was schlecht war. Hör dir nur seine Meinung an. Wenn er nichts mit dem Vortrag an sich zu tun hat (also nicht dein Chef ist oder dein Kollege vom selben Projekt), dann muss er auch nicht unbedingt damit einverstanden sein, wie du deine Präsentation gestaltest. Wenn man Feedback empfängt, hat man oft den Drang einen schlechten Eindruck korrigieren zu wollen. Die Sache ist aber: bei deinem echten Publikum kannst du später auch nicht machen. Investiere deine Energie lieber darin, deinen Vortrag zu verbessern.

Tipp: Du kannst vor dem Feedbackgespräch deinem Feedbackgeber sagen, dass du dir gleich seine Meinung anhören wirst und dass du außer Verständnisfragen etc. selber nichts sagen wirst.

  • Hör zu und mach dir Notizen. Oft bekommst du mehr Feedback, als du dir merken kannst. Schreib es dir dann stichpunktartig auf. Durch das Aufschreiben verringerst du auch den Reflex dich gegen Kritik zu wehren. Stattdessen fokussierst du dich auf das, worauf es wirklich ankommt: dass du verstehst, wie dein Gesprächspartner deine Präsentation wahrgenommen hat. Was du mit der Information dann anfängst, kannst du ja später immer noch entscheiden.
  • Stelle Verständnisfragen. Stelle sicher, dass du deinen Feedbackgeber richtig verstehst. Frage nach, wenn du dir nicht sicher bist oder wiederhole Teile davon noch einmal in eigenen Worten.
  • Durch alle Folien durchgehen. Oft fällt deinem Feedbackgeber mehr ein, wenn ihr gemeinsam noch einmal durch deine Folien durch geht. Er wird dann bestimmt auch viele Kleinigkeiten anmerken (wie zum Beispiel „Auf Folie 5 sind deine Bilder nicht gut ausgerichtet“) aber auch die helfen dir deinen Vortrag zu verbessern.

Geschenk

  • Feedback ist ein Geschenk, aber du musst es nicht annehmen. Es kann sehr gut sein, dass du bei einigen Rückmeldungen anderer Meinung bist. Dass du etwas an deiner Präsentation aus einem bestimmten Grund so machen willst und nicht anders (auch wenn es deinem Feedbackgeber nicht gefällt). Das ist völlig ok. Mach das dann auch ruhig anders. Das Feedback, das du bekommst, ist immer nur die subjektive Sicht von einem Zuhörer. Du trägst die Verantwortung für deinen Vortrag und deshalb entscheidest du wie er aussehen soll.
  • Nimm es nicht persönlich, bei dem Feedback geht es nicht um dich, es geht nur um deinen Vortrag. Ja, es fühlt sich erstmal nicht gut an, wenn etwas kritisiert wird, was man gemacht hat. Insbesondere, wenn man viel Zeit und Arbeit und Mühe hinein gesteckt hat. Aber es ist besser, wenn du das jetzt erfährst, als wenn dich beim richtigen Vortrag die Leute nicht verstehen oder du schlecht rüberkommst. Stell dir vor, von deinem Vortrag hinge viel Geld, eine Beförderung oder ein prestigeträchtiger Preis ab. Dann würdest du doch wissen wollen, wie deine Präsentation bei den Zuhörern ankommt, gerade dann wenn sie jetzt noch nicht so gut ist.

Thank you

  • Bedanke dich für das Feedback. Und zwar egal, ob dir das Feedback jetzt groß weiterhilft oder nicht. Dein Feedbackgeber hat seine Zeit aufgewendet um dir eine Rückmeldung zu geben und das ist einen Dank wert. Wenn es dir nicht viel geholfen hat, kannst du ja beim nächsten Mal jemanden anderen fragen.
  • Halte Beobachtung und Interpretation auseinander. Manchmal bekommst du Feedback über Dinge, die dein Feedbackgeber streng genommen gar nicht wissen kann und die er aus deinem Verhalten ableitet. Zum Beispiel:

    • „Man hat gemerkt, dass du nervös warst.“ Kann man von außen gar nicht wissen. Dein Feedbackgeber kann dir vielleicht beschreiben, dass du dich z.B. viel am Hals gekratzt hast oder versprochen hast. Aber ob du nervös warst oder nicht weiß er gar nicht.

    • „Du hast dich nicht genug vorbereitet.“ Kann dein Feedbackgeber auch nicht wissen. Vielleicht fand er deinen Vortrag aus sachlichen Gründen schlecht, aber er war nicht dabei, als du ihn vorbereitet hast. Vielleicht hast du dich beim Vorbereiten auf unwichtige Sachen konzentriert, aber das ist etwa völlig anderes.

Versuch sowas im Kopf umzuinterpretieren in „Als ich dich gesehen habe, entstand bei mir der Eindruck, dass ...“ . Denn das ist das einzige, was dein Feedbackgeber wirklich wissen kann. Finde dann heraus, welche Beobachtung deines Feedbackgebers dahintersteckt.

no-thanks

  • Wenn das Feedback persönlich wird dann hör nicht drauf. Das betrifft alles über dich, was nichts mit deinem Vortrag zu tun hat, sondern mit deiner Person. Dein Feedbackgeber soll dir Rückmeldung zu deinem Vortrag geben und zu nichts anderem.

    • „Du bist einfach nicht selbstbewusst genug.“ Das hat mit deinem Vortrag nichts zu tun, sondern bewertet deine Person. So ein Feedback ist unfair und unprofessionell, frage beim nächsten Mal dann lieber jemand anderen nach Feedback.

  • Lass dich filmen. Gib jemandem im Publikum dein Smartphone und lass ihn deinen Vortrag filmen. Es ist in der Regel ganz seltsam sich selbst zu sehen (und zu hören!) aber es kann dir ungemein weiterhelfen. Deine Zuhörer sehen dich ja auch die ganze Zeit so wie du dich dann auf der Aufnahme siehst. Außerdem verstehst du so viel besser, wie dein Feedback zustande kam.

Feedback geben

Wie gibst du am besten jemand anderem Feedback zu seinem Vortrag?

Want feedback

  • Nur wenn du gefragt wirst. Gib nur dann Feedback, wenn du explizit danach gefragt wirst. Wenn du Feedback gibst, dann machst du das um dem Vortragenden einen Gefallen zu tun. Und manchmal wollen Vortragende (jetzt gerade) keine Rückmeldung. Das ist völlig ok, also respektiere das. Selbst wenn du meinst, dass es für den Vortragenden besser wäre, sich dein Feedback anzuhören.
  • Unter vier Augen. Teil des Feedbacks ist manchmal auch Kritik und dabei ist es besser, wenn nicht noch andere Leute dabei sind.
  • Mach dir Notizen während des Vortrags. Häufig fallen dir ganz viele Dinge während des Vortrags auf, viel mehr als du dir merken kannst. Schreib sie dir auf.
  • Sage zuerst was dir gefallen hat. Beim Feedback geben hat man oft den Reflex nur die Dinge anzusprechen, die schlecht waren. Sag aber auch die positiven Dinge. Denn es ist wichtig, dass dein Feedbackempfänger diese weiß, damit er sie beim nächsten Mal wieder so machen wird. Außerdem freuen sich Menschen, wenn du etwas positives über sie oder ihren Vortrag sagst (insbesondere, wenn sie sich nicht so sicher sind, wie ihr Vortrag ankam).
  • Bringe dann Kritikpunkte. Erst dann erzählst du alles Negative, was dir einfällt. Sei dabei freundlich zu deinem Feedbacknehmer, wahrscheinlich hat er viel Zeit und Mühe in seinen Vortrag gesteckt und sein Bestes gegeben. Vergiss auch nicht: du sollst kein Urteil fällen, sondern Rückmeldung geben (und idealerweise Verbesserungsvorschläge machen).
    • Beschreibe was du gesehen hast. Bringe in deinem Feedback objektive Fakten statt Vermutungen oder Interpretationen. Sag zum Beispiel „Du hast dich am Hals gekratzt.“ anstelle von „Du warst nervös.“ Du kannst in den anderen Menschen nicht hinein schauen und deswegen gar nicht zu 100% wissen, warum er sich kratzt (vielleicht ist es auch nur der neue Pulli?).
    • Bleib konkret und werde nicht persönlich. Alles, was du sagst, sollte sich nur auf diese eine konkrete Präsentation beziehen. Nicht auf frühere Vorträge oder auf etwas, wie sich der Vortragende sonst verhält. Urteile nicht über seine Persönlichkeit, ob er schüchtern ist, dominant ist, verschlafen ist oder ähnliches.
      Ich
    • Rede in der „ich“-Form und erzähle, wozu der Vortrag bei dir geführt hat. Beschreibe wie die Bestandteile der Präsentation (die Folien, wie der Vortragende gestikuliert hat, etc.) bei dir gewirkt haben. Sag zum Beispiel „Ich habe auf Folie XY einige Zeit gebraucht um zu erkennen, was da alles drauf stand.“ anstelle von „Folie XY war total überladen.“ (selbst wenn du der Meinung bist, dass das objektiv so wäre). Grund: streng genommen weißt du gar nicht, wie der Vortrag auf andere Leute wirkt und dein Feedbackempfänger kann von dir auch gar nicht erwarten, das du das weißt.
  • Mach Vorschläge es besser zu machen. Falls du negative Dinge anmerkst und du Ideen hast, wie es besser geht, dann sag die. Je mehr Ideen du hast, desto besser (oft gibt es auch nicht nur eine einzige Möglichkeit es besser zu machen). Das ist aber kein Muss. Du darfst auch Kritik üben ohne einen konkreten Verbesserungsvorschlag zu haben. Häufig fällt dem Vortragenden auch ganz schnell selbst etwas ein, um deine Kritikpunkte anzugehen.

Ich wünsche dir viel konstruktives und hilfreiches Feedback nach deinem nächsten Vortrag. Über Feedback über diesen und die anderen Artikel auf dieser Seite freue ich mich auch immer, zum Beispiel als Kommentar unten.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.