Folien deiner Präsentation gestalten

By | Februar 21, 2016

Folien_gestalten

Der Erfolg deiner Präsentation hängt ganz stark davon ab ob deine Folien gut gestaltet sind. Sie sollen deinen Vortrag unterstützen und dafür sorgen, dass dein Publikum dich besser versteht. Hier gebe ich dir ein paar Tipps dafür.

Eins vorneweg: Wenn du alle Hinweise auf dieser Seite befolgst, werden deine Folien ganz anders aussehen, als wahrscheinlich 95% aller Folien von anderen Vorträgen, die du bis jetzt gesehen hast. Und zwar viel viel besser. Hab Mut deine Folien anders zu gestalten als die meisten anderen und deine Zuschauer werden es dir danken.

  • Folien schnell erfassen können. Während deine Zuhörer deine Folien erfassen, lesen und verstehen, werden sie dir nicht so gut zuhören können. Du willst aber, dass sie dir gut zuhören. Deswegen mach Folien, die das Auge schnell erfassen kann. Das ist der Hintergedanke vieler der folgenden Tipps.

Deine Zuhörer sollten jede Folie in zwei Sekunden erfassen können.

  • Damit meine ich jeden Teil der Folie, den du Stück für Stück aufdeckst (Klicks). Es ist ok eine Folie mit etwas mehr Inhalt zu haben, solange du sie nicht sofort komplett zeigst.
  • Wenig Text, viele Bilder. Um Text auf deinen Folien zu lesen braucht dein Publikum relativ lange, ein Bild kann es ganz schnell erfassen. Schreibe deswegen möglichst wenig Text auf deine Folien und verwende stattdessen Bilder. Viele Bilder. Diese beiden Folien hier stehen für exakt(!) denselben Inhalt aber die rechte kannst du viel schneller erfassen.

Folie mit viel Textknapsack-neu-2

 

 

 

 

 

 

Für viele Sachverhalte kannst du statt Text auch ein Clipart oder ein Bild aus dem Internet verwenden. Dann schreibst du vielleicht noch ein Wort daneben und erzählst den Rest. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

auflistung

  • Benutze viele Klicks. Also mache deine Folien so, dass ihr Inhalt sich erst Stück für Stück aufdeckt und entwickelt. Grund: Wenn du eine neue Folie zeigst, werden deine Zuschauer erst einmal verstehen wollen, was sie zeigt. Wenn nun auf der Folie viel drauf steht, kann das etwas Zeit brauchen, in der sie dir nicht richtig zuhören werden. Deshalb ist es besser, wenn du zuerst nur einen Teil des Folieninhalts zeigst, zu dem dann etwas sagst, und dann Schritt für Schritt den Rest aufdeckst.

Hier siehst du ein Beispiel dafür (klick auf die Folie um die Schritte zu sehen).

  • Schriftart ohne Serifen. Benutze also eine Schriftart wie Helvetica oder Arial. In Büchern oder Zeitungen werden oft Schriftarten mit Serifen verwendet wie zum Beispiel Times New Roman. Das ist super für Bücher, für deine Folien benutzt du aber besser andere Schriftarten. Benutz auch keine ungewöhnliche aber schlechter lesbare Schriftart um aufzufallen oder originell zu sein (Comic Sans MS zum Beispiel).
  • Mindestens Schriftgröße 20pt. PowerPoint skaliert deine Schrift automatisch so, dass dein ganzer Text auf eine Folie passt. Das ist zwar praktisch, aber überprüfe dabei immer, dass deine Schrift dabei nicht zu klein geworden ist. Sonst können die Leute in den hinteren Reihen deine Folien nicht mehr lesen. Außerdem solltest du eh lieber weniger auf deine Folien schreiben. Wenn du eine zu kleine Schrift brauchst um alles unterzubringen, ist das ein schlechtes Zeichen.
  • Unaufgedeckte Teile. Manche Präsentationsprogramme (LaTeX-Beamer zum Beispiel) haben ein Feature, dass man die unaufgedeckten Teile der Folie schon leicht „durchschimmern“ sieht. Benutze das nicht. Deine Zuschauer werden trotzdem schon versuchen wollen solche Teile zu lesen und brauchen dann sogar noch länger, weil man sie nicht so gut erkennen kann (also in LaTeX-Beamer nicht das Kommando \setbeamercovered{transparent} verwenden).
  • Neuer Abschnitt: Titel groß auf eine Folie. Diese Folie enthält dann nichts anderes als den Titel des neuen Abschnitts. Dann weiß dein Publikum genau, dass jetzt ein neuer Abschnitt beginnt. Da diese Folie wahrscheinlich ganz anders aussieht als deine normalen Folien, ist das sofort visuell klar und du musst gar nicht mehr so viel dazu sagen. Das sieht dann zum Beispiel so aus:
teil-IIalgorithmus
  •  Schwarze Folie. Manchmal willst du dem Publikum etwas erzählen, wofür du gar keine Folie brauchst. Ich selber mach das gern am Anfang meines Vortrags. In dem Fall füge eine Folie ein, die komplett schwarz ist. Dann bekommst du die volle Aufmerksamkeit deines Publikums und du läufst nicht Gefahr, dass Leute eine Verbindung suchen zwischen der letzten Folie und dem was du erzählst (und dann verwirrt sind, weil sie keine finden). Außerdem lockert das deinen Vortrag auf, weil auf einmal etwas ganz anderes kommt als alle erwarten. Bei PowerPoint kannst du auch die Taste „b“ drücken und dein Bildschirm wird dann komplett schwarz (black).

Folien aufräumen

Auf Folien hat man ganz schnell viel draufgeschrieben, was gar nicht zum Kern des Vortrags gehört. Das wird dein Publikum ablenken und sie können dir dann nicht mehr so gut zuhören. Hier siehst du zwei Folien mit genau demselben Inhalt. Die rechte kann dein Publikum viel schneller erfassen.

Unübersichtliche Folie          Übersichtliche Folie

So räumst du deine Folien auf:

  • Keine Seitenzahlen. Dein Publikum hat nichts davon, wenn es weiß, dass du z.B. auf der 10. Folie bist. Selbst für Fragen hinterher bringt das kaum etwas. Die Seitenzahl ist eine Sache mehr auf der Folie, die deine Zuhörer sehen werden und dir dadurch weniger zuhören werden. Also lieber weglassen.
  • Kein Footer, also keine Fußzeile unten auf der Folie. Dort steht häufig der Titel des Vortrages, der Name des Vortragenden und oft auch die Seitenzahl. Hier zum Beispiel:
    bad-footer
    Wenn deine Zuhörer in der Mitte des Vortrages nicht mehr wissen, worüber du eigentlich redest, hast du eh verloren, dann hilft das auch nichts mehr, dass der Titel unten nochmal steht. Du kannst dir aus Selbstmarketinggründen überlegen(!), ob du deinen Namen unten schreiben willst. Ich persönlich denke, du machst das beste Selbstmarketing, wenn du einen guten Vortrag hältst. Und dabei lenkt ein Footer deine Zuhörer nur ab.
  • Keine Gliederung deines Vortrags auf Folie. Manche Folien enthalten eine Übersicht, an welcher Stelle der Gliederung du gerade bist. Bei diesen Folien zum Beispiel (oben):

Gliederung auf Folie           Gliederung auf Folie

  • Tipp: Lass das weg. Deine Zuhörer werden dadurch nur abgelenkt. Deine Gliederung sollte klar sein aus dem, was du sagst. Außerdem verlierst du dadurch Platz auf deiner Folie. Mich erinnert sowas oft an einen Fortschrittsbalken am Computer und du willst ja, dass deine Zuschauer begeistert sind von deiner Präsentation und sich nicht ständig fragen, wann es endlich vorbei ist.
  • Firmen-/Unilogo: Lieber weglassen! Das lenkt dein Publikum ab und du verschenkst Platz auf der Folie. Falls euer Logo bunt ist, wird es mit vielen Folientemplates farblich nicht harmonieren. Du wirst keinen Zuhörer dadurch beeindrucken, dass du euer Logo auf die Masterfolie setzen konntest.
  • Keine Vorwärts/Rückwärts-Buttons auf Folie: Manche Präsentationsprogramme erlauben dir automatisch auf alle Folien Buttons für die Navigation zu setzen, LaTeX-Beamer zum Beispiel:

navigation-auf-folie

  • Tipp: Weglassen. Ich habe schon sehr viele solcher Vorträge gesehen und habe noch nie gesehen, wie jemand diese Buttons sinnvoll benutzt hätte. In LaTeX-Beamer schaltest du diese Buttons aus mit \setbeamertemplate{navigation symbols}{}.
  • Folienüberschrift im Zweifel weglassen. Das klingt jetzt vielleicht sehr radikal für dich, schließlich schlagen dir so ziemlich alle Templates in praktisch allen Präsentationsprogrammen vor, der Folie eine Überschrift zu geben. Wenn deine Überschrift wirklich informativ ist (also zum Beispiel ein Wort ist, was du sowieso gern auf deiner Folie hättest), benutze sie. Wenn du die Überschrift aber genauso gut weglassen könntest, dann lass sie ruhig weg. Dein Publikum wird dann weniger abgelenkt und fokussiert sich besser auf das, was du sagst. Fühl dich nicht verpflichtet deiner Folie eine Überschrift zu geben, nur weil das Template das so vorschlägt.
  • Titelfolie: Auf manchen Titelfolien stehen das aktuelle Datum und der Ort und Anlass des Vortrags. Tipp: Weglassen! Die Leute brauchen deine Folien nicht um zu wissen welcher Tag heute ist oder wo sie gerade sind. Und es ist eine Sache mehr die ablenkt.

Was nicht auf Folien gehört und was Folien nicht sind

  • Keine ganzen Sätze. Deine Zuhörer können die Botschaft des Satzes viel schneller erfassen, wenn du ihn auf Stichworte verkürzt, wie bei Überschriften in der Zeitung. Ausnahme: du willst über einen bestimmten ganzen Satz reden, zum Beispiel ein Paragraph aus einem Gesetzestext, eine mathematischen Definition oder ein Zitat. Schreib dann den ganzen Satz auf die Folie, und lies ihn langsam vor. Mach auf der Folie die entscheiden Wörter fett (das sind die, die deine Stichwörter geworden wären, wenn du ihn verkürzt hättest).
  • Schreib auf die Folie nicht genau was du sagst. Auch nicht auf Stichworte verkürzt. Denn dann liest du ja praktisch nur die Folie vor und machst Sätze aus den Stichworten. Deine Folien helfen dir, das was du sagst besser rüberzubringen: Fotos zu zeigen, Abläufe zu visualisieren, dem Publikum die Struktur klar zu machen etc. Es hilft deinem Publikum nicht, wenn alles,was du sagst, nochmal in Stichworten auf der Folie steht.
  • Folien sind nicht dein Handout. Wenn du deine Folien auch als Handout benutzen könntest, dann hast du viel zu viel Text drauf. Nämlich wahrscheinlich so ziemlich alles, was du sagen wirst. Das ist schlecht (siehe voriger Punkt). Bei PowerPoint hast du für jede Folie ein Feld für Notizen. Dort kannst du in Stichworten hineinschreiben, was du zu der Folie sagen würdest. Und hinterher kannst du die Folien zusammen mit den Notizen ausdrucken bzw. in ein PDF umwandeln und an deiner Zuhörer verteilen/mailen.
  • Keine Effekte ohne konkreten Grund. PowerPoint erlaubt dir, dass du jedes Wort (oder sogar jeden Buchstaben) einzeln aufdeckst. Und viele andere Effekte. Wenn das für die Dramaturgie deines Vortrages passt, benutze das. Aber verwende es nicht allein für den Effekt. Dann lenkt es deine Zuschauer nur ab. Und die meisten dieser Effekte haben sie eh schon oft gesehen und du wirst dadurch auch nicht als ungewöhnlich originell rüberkommen.
  • Folien sind nicht dein Stichwortzettel. Du solltest wissen, was du sagen willst, ohne die Stichwörter auf deinen Folien zu brauchen. Idealerweise solltest du deinen ganzen Vortrag auch ganz ohne sie halten können. Wenn du vor deinem nächsten Klick selbst nicht weißt, was gleich kommt, ist das ein schlechtes Zeichen.
  • Keine unbekannten Abkürzungen. Benutze ruhig Abkürzungen, die in deinem Fachgebiet jeder kennt. Aber benutze auf Folien keine Abkürzungen, die nur manche Leute kennen oder die spezifisch für dein Thema sind. Grund: Selbst, wenn du sie am Anfang erklärst, werden viele Zuhörer sie nach einigen Minuten vergessen haben. Und dann können sie deine Folie nicht mehr verstehen. Gilt natürlich genauso für das, was du sagst.
  • Wenig/keine Notation. Wenn du einen Vortrag in einem Bereich wie Mathematik, Physik oder Informatik hältst, dann brauchst du oft Notation, also mathematische Symbole wie zum Beispiel etc. Folge dabei so weit es geht den Standardbezeichnungen in deinem Bereich. Oft kannst du Dinge auch visuell darstellen, ohne für sie ein Symbol zu benutzen. Oder du schreibst sie einfach als Text wie anstatt . Wenn du neue Notation einführst, sag das deinem Publikum. Führe am besten höchstens ein, maximal zwei solche Bezeichner für deinen Vortrag ein.
  • Quellen-/Copyrightangaben zu Bildern: Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass du unter den Bildern deiner Folien Angaben zur Quelle machst (zum Beispiel wenn du die Folien hinterher online stellen willst). Tipp: Lass das weg, solange es juristisch in Ordnung ist. Solcher Text lenkt dein Publikum ab, besonders, weil er meistens sehr klein und deshalb schwer zu lesen ist.
  • Wissenschaftlicher Vortrag: Keine Referenzliste auf Artikel am Ende. Manche Präsentationsprogramme wie LaTeX-Beamer haben sogar ein extra Befehl dafür. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Folie mit Referenzen

  • Tipp: im Vortrag weglassen. Deine Zuhörer haben eh nicht genug Zeit um sich die Referenzen zu notieren und merken können sie sie sich auch nicht. Als letzten Satz am Ende möchtest du einen guten Schlusssatz bringen, der deine Kernaussage zusammenfasst und dafür ist eine Folie mit Referenzen total ungeeignet. Wenn du deine Folien nachher noch per Mail an deine Zuhörer verteilst, kann so eine Folie im Anhang gut sein. Zeige sie aber nicht im Vortrag selbst.

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