Seminarvortrag an der Uni: so klappt's

By | März 5, 2016

Hörsaal Universität

Du musst an der Uni ein Referat halten? Im Seminar, vor dem Prof und deinen ganzen Kommilitonen? Vielleicht hast du das bisher noch nie gemacht? Kein Problem, in diesem Artikel erkläre ich dir, wie du das super hinkriegst.

  • Warum machst du das Seminar? Je mehr Gründe du hier findest, desto besser. Das kann zum Beispiel sein:
    • Weil du dein Thema interessant findest. Einer der besten Gründe überhaupt. Wenn du etwas interessant findest, dann erzählst du wahrscheinlich deinen Freunden von ganz alleine ganz viel davon. Und in deinem Referat machst du im Prinzip genau dasselbe, nur halt vor deinen Kommilitonen.
    • Weil du Erfahrung sammeln willst im Präsentieren. Bei vielen Jobs musst du heutzutage Präsentationen halten und vortragen. Das lernt man nicht von heute auf morgen, sondern nur durch viel Erfahrung. Kein Mensch wird als guter Präsentator geboren, auch kein Steve Jobs. Stattdessen musst du das ganz viel üben.
    • Weil du dem Prof und seinen Assistenten zeigen, dass du gut bist. Irgendwann wirst du eine Bachelor- oder Masterarbeit schreiben und dabei wirst du wahrscheinlich einen wissenschaftlichen Mitarbeiter oder Professor als Betreuer haben. Betreuer investieren sehr gerne Zeit in gute Studenten aber nicht so gern in schlechte Studenten. Im Seminar kannst du zeigen, dass du gut bist. Insbesondere wenn du später promovieren willst (bei diesem Prof oder bei einem anderen), ist ein guter Seminarvortrag eine tolle Gelegenheit um einen guten Eindruck zu hinterlassen.
    • "Ich bin jung und brauche den Schein." Um dein Studium abzuschließen musst du das Seminar belegen und dort dein Referat halten. Wenn alle anderen Stricke reißen ist das auch ein guter Grund. Es ist aber deutlich besser, wenn du das ganze auch noch aus anderen Gründen machen willst.

Kalender

  • Fang früh mit dem Vorbereiten an. Wahrscheinlich musst du dich erst einmal in dein Thema einarbeiten, einige wissenschaftliche Artikel lesen und dich ein paar Male mit deinem Seminarbetreuer treffen. Und den Vortrag selbst musst du natürlich auch noch vorbereiten. Das ganze dauert ziemlich lange, insbesondere wenn du es noch nicht so oft gemacht hast. Fang deshalb schon sehr früh damit an. Am besten gleich am Anfang des Semesters, selbst wenn du erst in einer der letzten Wochen mit deinem Vortrag dran bist.
  • Fang sehr früh mit dem Vorbereiten an. Wirklich. Es dauert viel viel länger ein Referat komplett und gut vorzubereiten, als man am Anfang glaubt. Je früher du anfängst, desto weniger Stress hast du und desto besser wird dein Vortrag. Es macht wirklich einen Unterschied.
  • Triff dich mit deinem Seminarbetreuer. Manche Betreuer haben viel zu tun und versuchen dann leider latent sich Studenten vom Hals zu halten. Wenn du ein Seminar belegst, hast du das Recht auf gute Betreuung, denn nur so kannst du am meisten in der Veranstaltung lernen. Fordere dies ein. Mach das höflich im Ton, aber klar in der Sache. Insbesondere solltest du deinen Vortrag und deine Folien vor deinem Vortrag mit deinem Betreuer durchgehen. Vielleicht kannst du dein Referat sogar einmal in voller Länge vor ihm halten. Mitarbeiter an der Uni haben oft sehr viel Erfahrung im Halten von Präsentationen. Davon kannst du profitieren. Du kannst einen sehr guten Eindruck hinterlassen, wenn du dich schon lange vor deinem Vortrag mit deinem Betreuer treffen willst. Damit wirst du dich positiv von den allermeisten deiner Kommilitonen abheben.
  • Finde einen guten Einstieg in dein Thema. Mache etwas, um die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer zu gewinnen. Sag also nicht nur dein Thema, sondern mach ein bisschen Werbung für das, was gleich kommt. Erzähl zum Beispiel eine kleine Geschichte, stell deinen Zuhörern eine Frage oder bringe etwas Lustiges, was mit dem Thema zusammenhängt. Motiviere dadurch warum dein Thema interessant ist und warum es sich für deine Kommilitonen lohnt dir zuzuhören. Vielleicht hast du beim Vorbereiten etwas gelernt, was du an dem Thema spannend findest. Erzähle davon.

Roter Faden

  • Gib deinem Referat eine gute Struktur. Fang mit einer motivierenden Einleitung an. Sorge dafür, dass du im Hauptteil einen guten roten Faden hast, dass deine Folien also logisch aufeinander aufbauen. Bring am Ende eine gute Zusammenfassung deines Vortrags und stell eine Kernaussage heraus. Mehr Tipps für eine gute Struktur.
  • Gestalte gute Folien. Generell gilt: deine Folien sollen unterstützen, was du sagst, aber nicht ersetzen. Deshalb: schreib sehr wenig Text, benutze viele Bilder und Skizzen. Deine Zuhörer sollten jede Folie innerhalb von zwei Sekunden erfassen können. Schließlich sollen sie dir zuhören und ihre Aufmerksamkeit auf dich konzentrieren und nicht auf die Beamerprojektion.  Ein paar Faustregeln:
    • Keine ganzen Sätze auf Folien, nur Stichworte
    • Auch keine Stichworte, die den Satz bilden, den du sagen wirst
    • Verwende vieleKlicks”. Baue deine Folien also so, dass der Inhalt erst Schritt für
      Schritt sichtbar wird. Dadurch erkennt dein Publikum viel schneller, welche Teile relevant sind für das, was du gerade sagst.
    • Mindestens Schriftgröße 20pt, lieber größer. Wenn die Schrift zu klein ist, machst du es deinem Publikum unnötig schwer sie zu lesen. Besonders für die, die ganz hinten sitzen (und da sitzen die meisten :-)).
    • Folien sind nicht deine Stichwortgeber. Du musst auch ohne deine Folien (ungefähr) wissen, was du sagen wirst.
    • Wenn man den Inhalt einer Folie auch ohne dich verstehen kann, dann steht noch zu viel drauf. Lass dann lieber Text weg oder ersetze ihn durch Bilder.
    • Keine Effekte ohne Grund. Du kannst in Powerpoint zwar jeden Buchstaben einzeln erscheinen lassen, von der Seite ins Bild springen lassen oder ähnliche auffällige Effekte verwenden. Wenn das aber nichts mit deinem Inhalt zu tun hat, dann lenkt das nur ab. Lass sowas lieber weg.

Folie mit viel Text knapsack-neu-1

  • Lies nicht vor. Halte dein Referat frei, also ohne Manuskript, aus dem du vorliest. Dadurch wirst du viel lebendiger rüberkommen und besser erklären, als wenn du nur abliest. Außerdem kannst du mit deinen Zuhörer so viel besser interagieren (Augenkontakt). Falls du Angst hast den Faden zu verlieren: Du kannst dir zur Sicherheit einen Stichpunktzettel machen, aus dem dein “roter Faden” hervorgeht. Außerdem werden deine Folien dir helfen, dass du nichts wichtiges vergisst.

Frage

  • Hab keine Angst vor Fragen. Es gibt Seminare, bei denen die ungeschriebene Regel lautet, dass niemand eine Frage stellt. Die Wahrheit ist aber: Fragen helfen dir! Wenn deine Zuhörer dich nicht verstehen, dann ist es gut, wenn sie nachfragen. Oft kannst du die gestelle Frage ganz leicht beantworten. Und dann schaust du in Gesichter, die nicken und denen du ansiehst, dass sie dich verstehen. Das fühlt sich viel besser an, als wenn deine Kommilitonen die Stirn runzeln, die Arme verschränken oder aus dem Fenster schauen. Dadurch wirst du automatisch viel gelassener und wirst ein besseres Referat halten.

Sei mutig und sag gleich am Anfang, dass deine Zuhörer gerne jederzeit Fragen stellen können.

  • Dadurch wirst du gleich viel souveräner rüberkommen und dein Prof wird dir das auch positiv anrechnen. Wenn du mal eine Frage nicht beantworten kannst, ist das auch völlig in Ordnung. Niemand verlangt von dir, dass du alles sofort weißt. Dein Prof weiß auch nicht alles.
  • Benutze eventuell die Tafel. Bei einigen Fächern kann es sinnvoll sein, nicht nur Folien zu benutzen, sondern einige Teile an der Tafel zu erkären. Mathematik, Informatik oder Physik sind Beispiele dafür. Insbesondere kannst du hier Dinge anschreiben, die du später noch brauchst, aber nicht auf jede Folie schreiben willst. Außerdem kann das praktisch sein, wenn du einige Teile ganz langsam Schritt für Schritt erklären willst (in einem mathematischen Beweis zum Beispiel). Da dein Seminarvortrag wahrscheinlich relativ lang ist, ist es für deine Zuhörer angenehm, wenn du ab und zu das Medium wechselst. Das lockert dein Referat auf.
  • Probe deinen Vortrag. Halte deinen Vortrag mehrere Male zur Probe. Alleine und vor anderen. Erst wenn du dein Referat mehrere Male komplett gehalten hast, werden deine Formulierungen richtig “rund”. Außerdem gewinnst du dadurch ganz viel Routine. Beim Seminarvortrag selbst wirst du wahrscheinlich nervös sein und vielleicht hast du auch noch nicht so viel Erfahrung damit vor anderen Leuten zu reden. Da hilft es total, wenn du deine Präsentation schon viele Male gehalten hast und du genau weißt, was du gleich sagen wirst.

Feedback

  • Lass dir Feedback geben. Halte deinen fertigen Vortrag vor Freunden oder Kommilitonen und lass dir von ihnen Feedback geben. Bestimmt kennst du andere, die auch in dem Seminar vortragen. Trefft euch vorher, tragt euch gegenseitig eure Präsentationen vor und erzählt euch hinterher, was ihr bei den anderen gut fandet und was ihr noch besser machen könnt. Das ist außerdem praktisch, weil du dann schon früher mit deinen Folien fertig sein wirst. Hier gibts mehr Tipps wie du dir gutes Feedback einholst.
  • Lampenfieber: ist normal. Hat jeder. Selbst der beste Präsentator der Welt. Und das ist auch gut so. Denn wenn du nervös bist, heißt das, dass dein Körper darauf vorbereitet ist sich gleich zu 100% auf das Referat zu konzentrieren. Bei mir sind die besten Vorträge die, bei denen ich vorher sehr aufgeregt war. Vielen Schauspielern und Sängern geht das ähnlich, selbst wenn sie schon 1000 Mal auf der Bühne gestanden haben. Im Prinzip nützt dir dein Lampenfieber also. Außerdem meistens sehen die anderen das auch gar nicht, wenn du aufgeregt bist.

Remote Presenter

  • Benutze einen Remote-Presenter. Das sind kleine “Fernbedienungenfür deinen PC, mit dem du von einer Folie auf die nächste schalten kannst, während du vorträgst (siehe Bild rechts, das kleine Ding, das wie eine USB-Stick aussieht, steckst du dafür in den USB-Port an deinem PC). Das ist insbesondere praktisch, wenn deine Folien viele “Klicks” haben. Dadurch musst du nicht bei jeder neuen Folie zum Computer gehen um eine Taste zu drücken, sondern kannst souverän stehen bleiben und einfach weiterreden. Frag deinen Betreuer, ob er einen Presenter für das Seminar zur Verfügung stellen kann. Viele Uniarbeitsgruppen haben einen und dein Betreuer kann ihn ausleihen.

Ausreden

  • Keine Ausreden. Falls du trotz bester Vorsätze und allerbester Planung nicht ganz fertig geworden bist mit deinem Vortrag, dann erzähl deinem Prof oder seinen Assistenten keine Ausreden. Also sag nicht, dass deine Festplatte kaputtgegangen wäre, dass du deinen USB-Stick mit den Folien vergessen hättest oder dass dein Hund deinen Laptop aufgefressen hätte. Seminarbetreuer haben sowas schon 1000 Mal gehört. Sag lieber ehrlich, dass du es nicht rechtzeitig geschafft hast, aber nächste Woche vortragen kannst oder am geplanten Termin vortragen kannst mit dem, was du bis jetzt hast. Du willst deinen Betreuern vertrauen können und dafür ist es nur fair, dass du sie nicht anlügst.

Ich hoffe, die Tipps konnten dir helfen um dich gut auf deinen Seminarvortrag vorzubereiten. Also: leg los und erstelle eine richtig gute Präsentation!

Viel Erfolg!

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